Muttertag – einer meiner Horrortage

Überall wird man überschwemmt von dem Hinweis auf den heutigen Muttertag. Ob es im Fernsehen, im Radio oder auf Facebook ist – man kommt einfach nicht daran vorbei. Für viele mag es ein schöner Tag sein, an dem sie zu Ihren Müttern fahren, Ihnen schöne Blumen schenken oder einfach Zeit mit Ihnen verbringen. Für mich bedeutet dieser Tag – Trauer. Erinnerungen an einer der schlimmsten Erlebnisse meines Lebens – den Tod meiner Mutter. Sie ist nicht mehr da. Sie wird nie wieder da sein. Ich werde nie wieder zu meiner Mutter fahren. Ich werde nie wieder mit Ihr am Tisch sitzen. Ich werde nie wieder die Geborgenheit spüren.

Es gibt tatsächlich Menschen, deren Mutter bereits verstorben ist. Ich empfinde es jedes Jahr erneut als rücksichtslos, für diejenigen, deren Mütter nicht mehr unter uns weilen. Es macht mich wütend. Jeder Hinweis gibt mir einen erneuten Stich – wo ich den Tag doch so gerne einfach „vergessen“ hätte.  Danke für die hundertfache Erinnerung. Nein – ich werde diesen Tag bestimmt nicht vergessen. Jedes Jahr bilde ich mir ein – der Tag würde an mir vorbei fliegen – ohne das ich es merken würde. Wie dumm von mir. Tage vorher liegt mir dieser Tag im Magen – und es spitzt sich zu, je näher der Tag rückt -je mehr ich daran erinnert werde – ob ich will oder nicht.

Die letzten Jahre bin ich, während andere Ihre Mutter besuchen, zum Friedhof gefahren. Allein der Gedanke lässt mir Tränen in die Augen schießen. Andere fahren zu Ihrer Mutter – ich zum Friedhof. Während mein Lebensgefährte zu seiner Mutter fuhr – fuhr ich unter Tränen zum Friedhof – mit Sonnenbrille selbstverständlich – wenigstens etwas Privatsphäre. Tut man doch so als gute Tochter. Nein – seit letztem Jahr tue ich das nicht mehr. Ich tue es mir einfach nicht mehr an, an diesem Tag zum Friedhof zu fahren. Ich hoffe meine Mutter versteht das.

Seine Mutter versteht nicht, warum wir nicht zusammen am Muttertag zu Ihr fahren. Sie meinte mal vor 2 oder 3 Jahren zu mir, vielleicht würde ich nächstes Jahr mit zu Ihr kommen, und sie besuchen – wenn die Wunde nicht mehr so frisch ist…. Sie hat es nicht verstanden. Diese Wunde ist nie geschlossen. Ich werde keinen einzigen Muttertag bei Ihr verbringen. Ich würde es als Verrat meiner Mutter gegenüber sehen – denn sie ist nicht meine Mutter. Und wird es nie sein.

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Über Miss Baileyvally

Ich wurde in den Siebzigern geboren. Ich lebe mit meinem Lebensgefährten und meinen drei Katzen in NRW. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich seit über 25 Jahren in der IT. Ich bin sehr tierlieb. Ein Leben ohne sie könnte ich mir nicht vorstellen. Mein Blogs: (Kunst, DIY...) https://missbv2.wordpress.com/ Katzenblog: https://missbv.wordpress.com/
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4 Antworten zu Muttertag – einer meiner Horrortage

  1. Ein mutiger und ehrlicher Beitrag, der mir durchaus einen Kloß im Hals verursachte. Wichtig finde ich, dass Du Deinen Weg findest und vielleicht bereits gefunden hast. Du solltest und musst diesen Tag so begehen, wie Du es für richtig hälst, – auch Deiner Mutter gegenüber. Ich lese aus Feinen Zeilen, dass Du die notwendige Unterstützung Deines Lebenspartners erfährst. Damit ist ein weiterer wesentlicher Punkt erfüllt.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, auch in den zukünftigen Jahren!

    HG, Patrick

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    • Miss Baileyvally schreibt:

      Vielen Dank für deine Worte Patrick. Ich musste diesen Beitrag einfach schreiben. Auch wenn er sehr persönlich ist. ich habe das beste aus diesem Tag gemacht – ich habe etwas für meine Seele getan. Ich habe gemalt.

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  2. engelundteufel schreibt:

    Hallo Indra,
    ich kann gut verstehen, wie es dir geht – ich habe mit 29 Jahren meine Vater verloren und er konnte mich nicht zum Traualtar führen und jedes Mal, wenn ich im TV diese Hochzeitssendungen sehe und die Vater-Tochter-Tanz machen, muss ich auch weinen.
    Der Tod eines Elternteils is wirklich schwer zu verkraften. Vielleicht solltest du versuchen nicht so viel Wut mit dir rum zu tragen. Das möchte deine Mutter bestimmt nicht. Du musst am Muttertag auch nicht auf den Friedhof gehen – das verlangt keiner von dir, auch nicht deine Mutter. Die trägst du im Herzen und vielleicht kannst du den Tag nutzen und an deine Mama und an die positiven Dinge denken, die du mit ihr erlebt hast. Verwandel deine Wut in Liebe zu deiner Mama, auch wenn sie nicht mehr da ist.
    Wir haben einen Altar für die Lieben, die von uns gegangen sind und sie bekommen an solchen Tagen auch Blumen geschenkt und wir sprechen dann mit ihnen.
    Hört sich doof an, aber so gehen wir mit den Verlusten um.
    Ich drücke dich ganz doll und wünsche dir Kraft die Wut zu überwinden.
    Ich danke dir auch, dass du uns an so persönlichen Gedanken teil haben lässt.
    Lieb Grüße
    Anja

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  3. Miss Baileyvally schreibt:

    Du hast auf jeden Fall Recht, mit dem was Du sagst, aber diese Wut und die Verbitterung werde ich wohl nie wieder loswerden. Zuviele Menschen wurden mir in diesem Leben entrissen. Das verändert einen Menschen. Wäre nicht die Verbitterung, die Wut und die Kälte, die oft in mir ist, wäre ich vielleicht schon lange nicht mehr hier. Das ist wohl die Art, wie ich es verarbeitet habe – und die Schäden die das Leben hinterlassen hat. Geblieben ist mir aber auch die bedingungslose Liebe zu meinen Tieren.

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